Aus welchem Grund wurde sich für den aktuellen Standort des geplanten Geothermiekraftwerks entschieden?

Ergebnis der 3D Seismik von 2012. Bruchzone im Malm in ca. 4.000 m Tiefe. (c) Erdwärme Isar GmbH.

Die Wahl des geeigneten Standortes beginnt mit der Untersuchung des Untergrundes. Die Ergebnisse aus der 3D Seismik im Jahr 2012 zeigten im Untergrund natürliche, alte Bruchzonen im Gestein des Malms, in gut 4.000 m Tiefe. Diese Bruchzonen werden als besonders durchlässig für das Thermalwasser angesehen und sind daher Ziel für die Tiefbohrungen. Nachdem die Bohrziele festgelegt waren, mussten an der Oberfläche Bereiche gesucht werden, von denen aus diese Bohrziele in der Tiefe technisch sinnvoll erreicht werden können. Schutzgebiete jeglicher Art und innerörtliche Bereiche schieden dabei von vorne herein aus, genauso wie Standorte, die zu nahe an einer Wohnbebauung liegen. Es war außerdem gewünscht, dass die Standorte nahe der Autobahn liegen. Es wurden bei Dorfen und Walchstadt zwei geeignete Standorte gefunden, welche die genannten Kriterien erfüllen.

Welchen tatsächlichen Nutzen bringt das Geothermieprojekt für die Gemeinde?

Mit der geplanten Anlage leistet die Erdwärme Isar einen signifikanten Beitrag zur grundlastfähigen Energieversorgung des Landkreises mit regenerativer Energie. Momentan besteht nach Angeban der Energiewende Oberland noch eine Deckungslücke von 18 Prozent, die insbesondere dann deutlich wird, wenn in Zukunft Atomkraftwerke abgeschaltet werden und das Stromnetz durch gleichzeitig fehlende Stromtrassen aus Norddeutschland weiteren Schwankungen ausgesetzt ist.

Sollte das Projekt erfolgreich sein, könnte der Landkreis Bad Tölz/Wolfratshausen durch die Geothermieanlage Dorfen energieautark sein und so die selbst gesetzten Ziele einer Deckung des Energieverbrauchs aus regenerativer Erzeugung schlagartig umsetzen. Mit dem erzeugten Strom werden bis zu 50 000 Haushalte und die Industrie im Landkreis versorgt. Dies bedeutet, dass knapp ein Viertel des landkreisweiten Strombedarfs durch die Geothermieanlage Dorfen gedeckt wird.

 

Warum gibt es zwei Bohrplätze?

Ein Geothermiekraftwerk wird mit einem geschlossenen Wasserkreislauf betrieben. Um das Wasser zu fördern, werden mindestens zwei Bohrungen benötigt. Eine Bohrung ist der Produktionsbrunnen, der das Thermalwasser aus der Tiefe nach oben fördert. Die zweite Bohrung ist der sogenannte Schluckbrunnen, über den das Wasser wieder in den Untergrund eingeleitet wird.

Da beide Bohrungen aus physikalischen Gründen einen Mindestabstand voneinander haben müssen, werden zwei Bohrplätze benötigt, die dies gewährleisten. Es wurden zwei Standorte gewählt, die in erreichbarer Nähe zu den unterirdischen Bohrzielen liegen, außerhalb von Schutzgebieten sind und mindestens einige hundert Meter Entfernung zur nächsten Wohnbebauung aufweisen. Daher wurde die Nähe zur Bundesautobahn A96 in Hinblick auf eine Konzentration von Baumaßnahmen angestrebt.

Wie laut wird das geplante Kraftwerk sein?

Das geplante Kraftwerk wird selbstverständlich alle gesetzlichen Immissionsvorgaben für die umliegenden Wohngebiete einhalten. Darüber hinaus werden im Bebauungsplan von der Gemeinde Imissionskontingente festgelegt, die nochmals niedriger sind als die gesetzlichen Werte.

Kann die Bohrung das Grundwasser verschmutzen?

Das Grundwasser wird auf mehrfache Weise während der Bohrphase geschützt.

  1. Bevor die Bohranlage mobilisiert wird, werden die sogenannten Standrohre, die das Bohrgestänge führen, bis tief in die grundwasserstauenden Schichten gesetzt und einzementiert. Durch die Standrohre wird das Grundwasser aus der Bohrung ausgesperrt und hat daher keinen Kontakt mit andere Stoffen.
  2. Die verwendete Bohrspülung besteht aus Spülungsmaterialien der Wasserschutzklasse 1, der höchsten, die in Deutschland existiert. Eingesetzt werden Pottasche, biologisch abbaubare Zuckerverbindungen (sogenannte Biopolymere, vergleichbar Mondamin) und Zitronensäure. Als Wasser für die Spülung wird nur Trinkwasser oder sauberes Grundwasser verwendet.
  3. Die Bohrung wird im sogenannten Betriebsplanverfahren vom Bergamt, dem Landesamt für Umwelt und dem Wasserwirtschaftsamt genehmigt. In diesem Prozess werden alle verwendeten Stoffe von den Behörden einzeln geprüft und zugelassen.

Ich habe von Gebäudeschäden in Staufen gelesen. Kann so etwas hier auch passieren?

 

Die Ereignisse in Staufen hatten mit tiefer Geothermie nichts zu tun. Es handelte sich dort um Bohrungen für flache Erdwärmesonden, die von einem Brunnenbau-Unternehmen abgeteuft wurden. In Staufen und Umgebung tritt im Untergrund die Formation des Gipskeupers auf. Diese enthält das Mineral Anhydrit, das bei Kontakt mit Wasser quillt und sich in Gips umwandelt. Dies ist dort bekannt, vor allem im Straßen- und Tunnelbau hat das Quellen von Anhydrit in Südwestdeutschland in der Vergangenheit schon zu zahlreichen Schäden geführt. Die Verbindung von Wasser und Anhydrit in Staufen hätte durch fachgerecht ausgeführte Arbeiten vermieden werden können.

Durch die zahlreichen Tiefbohrungen aus der Erdölexploration und der tiefen Geothermie innerhalb der letzten sechzig Jahre ist der geologische Aufbau des Untergrundes im bayerischen Voralpenland gut bekannt. Die geologische Formation des Gipskeupers, in denen es zu solchen Reaktionen gekommen ist, gibt es hier nicht. Daher sind solche mineralogischen Reaktionen wie in Staufen aus diesen Gründen grundsätzlich nicht möglich. Zudem werden Tiefbohrungen, im Vergleich zu Brunnenbohrungen, sehr detailliert geplant. Jede Bohrung wird vom Bergamt sowie von Wasser- und Umweltbehörden detailliert genehmigt und ausschließlich von spezialisierten Unternehmen durchgeführt.

Was geschieht mit dem Bohrloch bzw. den -löchern bei nicht ergiebiger Schüttung (Nichtfündigkeit)?

Für den unerwarteten Fall, dass die Förderrate nicht ausreichend ist, um eine Bohrung wirtschaftlich zu nutzen, wird die Bohrung fachgerecht verfüllt. Der Bohrplatz wird zurückgebaut und das Grundstück seiner ursprünglichen land- bzw. forstwirtschaftlichen Nutzung wieder zugeführt. Das fachgerechte Verschließen der Bohrung und der Rückbau geschehen unter Aufsicht der Bergbehörde. Diese verlangt bereits bei Baubeginn hinreichende finanzielle Sicherheiten für den Rückbau. Die Kosten für alle Maßnahmen trägt alleinig die Erdwärme Isar GmbH. Weder der Steuerzahler noch die Gemeinde werden finanziell belastet.

Wie groß ist der geplante Querschnitt der einzelnen Bohrungen?

Die Bohrungen sind 4.000 bis 5.000 Meter tief. Nach der Bohrung einzelner Sektionen, wird eine Rohrtour eingefügt und zementiert. Dadurch verjüngt sich die Bohrung teleskopartig und der Durchmesser reduziert sich.  Die erste Sektion wird einen Bohrdurchmesser von 26 Zoll (ca. 66 cm) haben. Der Enddurchmesser im Reservoir ist mit 8 1/2 Zoll (ca. 27 cm) vorgesehen.

Ist der elektrische Eigenbedarf mit 30 Prozent zu optimistisch angegeben?

Wir haben den Kraftwerksprozess modelliert und stützen uns dabei auf detaillierten Performance-Daten von Herstellern für die erwartete Temperatur und Schüttung, sowie auf unsere eigenen Simulationsrechnungen. Die 30 Prozent Eigenverbrauch ergeben sich aus ca. 15 Prozent Strombedarf für die Förderpumpen, 8 Prozent für die luftgekühlten Kondensatoren und 7 Prozent für den verbleibenden Anlagenverbrauch, einschließlich Zirkulationspumpen. Wir gehen davon aus, dass diese Angaben realistisch sind.

Ich habe gehört die zeitliche Perspektive für den Betrieb des Projekts wurde auf 30 Jahre beziffert. Woraus erschließt sich diese Perspektive? Ist der Grundwasserleiter dann so weit ausgekühlt, dass er unter den derzeitigen Voraussetzungen nicht mehr rentabel nutzbar ist?

Unser lokales dreidimensionales numerisches Reservoir-Modell und die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Nutzungsdauer eines Geothermie Projektes 30 Jahre weit überschreitet. Das liegt daran, dass das Reservoir sehr groß ist und auch von der Erde kontinuierlich aufgewärmt wird. Erst nach ca. 50 Jahren zeigt unser lokales Reservoir-Modell eine begrenzte Auskühlung im Produktionsbereich von wenigen Grad Celsius.
Das Leibniz-Institut für angewandte Geophysik (LIAG) hat im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums ein regionales Reservoir-Modell des Großraums München erstellt, welches zeigt, dass keine gegenseitige Beeinflussung der Geothermieprojekte in der Münchener Region zu erwarten sind, und dass eine Auskühlung auch auf lange Frist örtlich begrenzt bleibt.

Wieviel der gewonnenen Energie wird für die Förderpumpen benötigt?

Die Förderpumpe benötigt ungefähr 15 Prozent der Leistung des Kaftwerks.

Wieviel der gewonnenen Energie ist Verlustleistung über die Kühler?

Die Luftkühler werden ungefähr 8 Prozent und der übrige Teil der Anlage ca. 7 Prozent der Gesamtleistung verbrauchen.

Ist geplant, die für die Pumpen benötigte Leistung von den Generatoren zu nehmen oder aus dem öffentlichen Netz?

Die Energie für die Förderpumpen und die gesamte Anlage werden über den eigenen Generator abgedeckt. Das Kraftwerk hat nur eine abgehende Stromleitung.